Meinung

Wird die Ukraine die Wirtschaftskrise überstehen?

Die Krise, die die Ukraine erfasst hat, ist kein vorübergehendes, sondern ein systemisches Problem. Die Metallindustrie im Land existiert praktisch nicht mehr. Der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist eingebrochen. Es gibt drei mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf der Ereignisse.
Wird die Ukraine die Wirtschaftskrise überstehen?© Urheberrechtlich geschützt

Von Sergei Mirkin

"Heute gibt es in der Ukraine keine Stahlindustrie mehr", erklärte ein Sprecher der "Metinwest"-Gruppe, des größten Metallurgieunternehmens der Ukraine. Es gehört dem Oligarchen Rinat Achmetow.

Um zu verstehen, wie ernst die Lage ist, werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Im Jahr 2025 brachte der Export von metallurgischen Produkten der Ukraine 4,72 Milliarden US-Dollar ein – das entspricht 11,7 Prozent des gesamten Warenexports des Landes. Zum Vergleich: Im Jahr 2013, dem letzten Jahr vor dem Maidan, belief sich dieser Wert auf 14,3 Milliarden US-Dollar. Nur der Export von Agrarprodukten war mit 17 Milliarden US-Dollar noch höher. Die gesamten Exporte der Ukraine beliefen sich im Jahr 2013 auf 63,3 Milliarden US-Dollar. Das heißt, die Metallurgie und die Agrarindustrie trugen fast 50 Prozent zu den gesamten Exporteinnahmen bei.

Die Lage in der ukrainischen Agrarindustrie ist derzeit nicht wesentlich besser als in der Metallurgie: Im August dieses Jahres brachen die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse um 47 Prozent ein.

Der ukrainische Ökonom Alexei Kuschtsch ist der Ansicht, dass die Ressourcen der Ukraine für den Widerstand gegen Russland fast erschöpft seien. Er bezieht sich dabei auf wirtschaftliche und demografische Ressourcen sowie auf die mentale Verfassung der Bevölkerung. Die Finanzkrise erklärt der Ökonom damit, dass die westlichen Geldgeber Kiew nun deutlich weniger Geld zur Verfügung stellen als zuvor. Dabei kann die Ukraine bereits seits 2022 ihren Haushaltsbedarf nicht mehr decken. Angesichts der Probleme im Exportbereich wird sich die Krise nur noch verschärfen. Nach Ansicht von Kuschtsch werde die ukrainische Führung gezwungen sein, nach Wegen aus dem Konflikt zu suchen, da sonst das Konstrukt namens "Ukraine" zusammenbrechen und alle unter seinen Trümmern begraben werde, einschließlich der politischen Elite.

Kuschtsch hat indes eine allzu hohe Meinung von den Politikern seines Landes. Wladimir Selenskij bekundet lediglich den Wunsch, Frieden zu erreichen, hat aber in der Praxis nichts dafür unternommen. Westliche Medien berichten, dass US-Präsident Donald Trump ihm empfohlen habe, zu Verhandlungen nach Moskau zu fliegen. Doch Selenskij lehnte dies ab.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, Russland sei bereit gewesen, die Verhandlungen mit der Ukraine nach den russischen Parlamentswahlen wieder aufzunehmen, doch Kiew versuchte, einen massiven Schlag gegen die russische Hauptstadt Moskau zu führen, und griff zudem Wahllokale in den Regionen an. Bei dem ukrainischen Angriff auf Moskau am 20. September kamen über 1.600 Drohnen zum Einsatz. Wenn man Frieden will, verringert man die Eskalation des Konflikts und verschärft sie nicht.

Was erwartet die Ukraine also? Derzeit scheint es, als gäbe es für dieses Land drei Wege.

Szenario 1: Alles wird so weitergehen wie bisher

Selenskij wird die Eskalation im Konflikt mit Russland weiter vorantreiben, um seinen Gönnern im Westen zu beweisen, dass er noch immer von Nutzen ist. Infolge der Gegenmaßnahmen der russischen Streitkräfte wird im Winter die Verkehrs- und Energieinfrastruktur in der Ukraine zerstört werden. Es kommt zu einem vollständigen Zusammenbruch der ukrainischen Wirtschaft. Dabei weigert sich Selenskij, das von der EU geforderte Gesetzespaket zu verabschieden, da er nicht zu einem Präsidenten ohne Befugnisse werden will.

Als Reaktion darauf kürzt der Westen die Finanzhilfen. Die Griwna verliert an Wert, im Land herrscht Hyperinflation, eine logistische Krise bricht aus. Die Menschen fliehen noch massiver aus der Ukraine. Männer, die auf der Straße aufgegriffen werden, werden sofort an die Front geschickt.

Vertreter der Elite erkennen, dass der außer sich geratene Selenskij abgelöst werden muss, können sich jedoch nicht entscheiden, wer der neue "Hetman" werden soll. Im Land beginnt ein Machtkampf unter Einsatz bewaffneter Gruppen, ehemaliger Einheiten der ukrainischen Streitkräfte und der Nationalgarde, die sich nun in Söldnerbanden verwandelt haben. Das Chaos in der Ukraine bedroht die Stabilität ihrer Nachbarn. Es findet ein Treffen von Vertretern Russlands, Weißrusslands, Polens, Ungarns und Rumäniens statt, bei dem beschlossen wird, die Ukraine in Zuständigkeitsbereiche aufzuteilen, in welche die Länder ihre Truppen entsenden. Nach einigen Jahren werden diese Zuständigkeitsbereiche Teil der Staaten, die sie kontrolliert haben.

Szenario 2: Ein großes Militärlager

Dem Westen gelingt es, Selenskij unter Druck zu setzen, indem er ihm ein Ultimatum stellt: entweder Verzicht auf die tatsächliche Macht oder Sturz. Selenskij beugt sich und flüchtet aus dem Land. An die Spitze der Ukraine tritt der Marionettenpräsident Michail Fjodorow – ein Mann, der alle Befehle des globalistischen Regionalkomitees ausführt. Die EU stellt dem ukrainischen Regime genügend Geld zur Verfügung, damit es irgendwie weiterfunktionieren kann. Ukrainische Männer werden aus der EU ausgewiesen und sofort in die ukrainischen Streitkräfte geschickt. Das Land verwandelt sich in ein riesiges Militärlager. Die Ukrainer leben und sterben für ein einziges Ziel – den Kampf gegen Russland. Dies endet, wenn die ukrainischen Streitkräfte eine Reihe schwerer Niederlagen gegen die russische Armee erleiden, die Globalisten die Kontrolle über die Regierungen in einer Reihe europäischer Länder verlieren, das Projekt als aussichtslos erachtet und die Finanzierung der Ukraine eingestellt wird. Im Land bricht Chaos aus, und die Nachbarstaaten teilen es unter sich auf.

Szenario 3: Das Ende der Maidan-Regierung

Die Angriffe der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Infrastruktur, die Kürzung der Finanzhilfen durch die EU sowie der Verfall der Wirtschaft und des sozialen Bereichs in der Ukraine werden die wichtigste Grundlage zerstören, auf der das Maidan-Regime beruht – den Glauben an eine strahlende europäische Zukunft. Die Menschen, die durch die wirtschaftlichen und lebenspraktischen Bedingungen zur Verzweiflung getrieben wurden, werden auf die Straßen ihrer Städte gehen. Es werden sich zahlreiche lokale Maidan-Bewegungen bilden. Zunächst wird das Regime versuchen, diese zu unterdrücken, doch die Quantität wird zur Qualität werden, und das Regime wird zusammenbrechen.

Die neuen Politiker werden, um sich an der Macht zu halten, die wichtigste Forderung der Menschen erfüllen – nämlich einen Frieden aushandeln. Und, was ebenfalls wichtig ist, die Bürger der Ukraine werden immun gegen die "Krankheit" des Glaubens an den "guten Westen" werden. Die Politiker, die an die Macht kommen, werden nicht pro-russisch sein; einige von ihnen werden sogar antirussische Parolen verkünden. Aber ihre Politik wird auch nicht pro-westlich sein. Die Ukraine wird zur Mehrvektorpolitik der Kutschma-Ära zurückkehren.

Fazit

Was nicht die Eliten, sondern die einfachen Ukrainer betrifft, so tun sie mir aufrichtig leid. Doch auch für sie ist dies eine Chance, endlich zu begreifen, was kluge Köpfe aus aller Welt ihnen zu vermitteln versuchen: Dass sie und ihr Land lediglich Werkzeuge in den Händen des Westens und der korrupten ukrainischen Politiker sind. Dass sich niemand um ihr Schicksal und die Zukunft ihrer Kinder schert. Dass der einzige Sinn der Existenz der heutigen Ukraine darin besteht, Russland zu schaden.

Ich hoffe aufrichtig, dass die Ukrainer dies erkennen. Hoffentlich ist es dann nicht schon zu spät.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 8. Oktober 2026 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Sergei Mirkin ist ein Journalist aus Donezk.

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