
Daten aus Bayern beweisen: Landwirte überdurchschnittlich suizidgefährdet

Am 16. Oktober ist Welternährungstag. Ein Anlass für Politiker und Medien, die Bedeutung der Landwirtschaft für eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln hervorzuheben. Zugleich begehen Aktionsbündnisse und mit der seelischen Gesundheit befasste Organisationen vom 10. bis zum 20. Oktober 2026 die bundesweite Woche der Seelischen Gesundheit. Und beide Daten haben mehr miteinander zu tun, als man zunächst denkt.
Denn um die seelische Verfassung der deutschen Landwirte steht es nicht zum Besten. Zumindest, wenn man bayerische Daten in Betracht zieht, die Ende August im Bundesgesundheitsblatt ausgewertet worden sind. Vermutet wurde aufgrund analoger Entwicklungen in anderen Ländern schon lange, dass Bauern ein erhöhtes Suizidrisiko haben. Für Deutschland war allerdings der Nachweis schwierig, da Selbstmordstatistiken meist nicht den Beruf des Suizidenten angeben.

Eine Ausnahme bildet die Polizeiliche Kriminalstatistik in Bayern. Sie gibt den vorwiegend ausgeübten Beruf der Verstorbenen an. Eine Auswertung der Daten aus den Jahren 2017 bis 2024 ergab demnach: Vertreter der sogenannten "grünen Berufe", insbesondere Landwirte, haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein überdurchschnittlich hohes Risiko, Suizid zu begehen. Über die Auswertung der Daten berichteten zunächst die Branchenmagazine Agrarheute und top agrar.
Demnach haben in dem acht Jahre umfassenden Untersuchungszeitraum insgesamt 463 Menschen aus den "grünen Berufen" den Suizid vollzogen. Das ist in etwa ein Selbstmord pro Woche in der bayerischen Landwirtschaft. Generell bringen sich Männer häufiger um als Frauen. Das ist auch in Landwirtschaft der Fall.
Auffällig ist: Sowohl bei den Geschlechtern als auch bei den jeweiligen Altersgruppen war die Suizidrate der Landwirte höher als bei der übrigen Bevölkerung. Bei männlichen Landwirten im Alter von 18 bis 59 Jahren etwa war sie um das 3,4-Fache erhöht.
Die Verfasser der Studie weisen auch auf mögliche Ursachen für das erhöhte Suizidrisiko in den "grünen Berufen" hin: Internationale Untersuchungen zeigten, dass sich in dieser Berufsgruppe verschiedene Problemfelder akkumulierten, etwa finanzielle und wirtschaftliche Belastungen, eine zunehmende Überforderung durch die von oben verordnete Bürokratie und die Anforderungen der modernen Agrarwirtschaft sowie sich wandelnde klimatische Bedingungen und eine hohe Arbeitsbelastung.
Auch mangelnde gesellschaftliche Anerkennung könne einen Faktor darstellen, dass Bauern keinen Ausweg mehr sähen. Ebenso spielten traditionelle Vorstellungen eine Rolle, die es den Betroffenen schwer machten, sich psychosoziale Hilfe zu suchen. Außerdem sei zu bedenken, dass gerade in "grünen Berufen" der Zugang zu Mitteln für den Suizid leichter falle.
Aufgrund der besonderen Vulnerabilität von in den "grünen Berufen" (also etwa in Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau) tätigen Menschen fordern das Team und Christian Hetzel weitere Erhebungen und eine verstärkte Präventionsarbeit.
Laut einer bereits in einer im März diesen Jahres veröffentlichten Querschnittsstudie (ebenfalls von einer Forschergruppe unter Beteiligung Hetzels) liegt bei suizidalen Landwirten häufig keine psychische Erkrankung vor beziehungsweise wurde diese nicht von einem Arzt diagnostiziert.
Die Verfasser der Studie weisen darauf hin, dass ländliche Gebiete häufig psychiatrisch unterversorgt seien und deshalb psychische Erkrankungen nicht entdeckt würden. Einen besonderen Beratungsbedarf hätten männliche Landwirte, Leiter von kleinen bis mittelgroßen Betrieben und Bauern mit Viehhaltung.
Für Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer ist die erhöhte Suizidrate der Bauern ein Warnsignal. In einem Podcast der Funke-Mediengruppe erklärte der CSU-Politiker, die Selbstmorde seien in dieser Berufsgruppe schon seit Jahrzehnten höher. Dazu komme die wirtschaftliche Lage, denn jeder dritte Landwirt habe Liquiditätsprobleme. Die Vielzahl der Selbstmorde in der Landwirtschaft habe verschiedenste Hintergründe, "aber natürlich sind es oftmals wirtschaftliche Schwierigkeiten, für die der überwiegende Großteil nichts dafür kann".
Mehr zum Thema – Für eine nachhaltige EU: Wie Dänemark Kühe auf dem CO₂-Klima-Altar opfert
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
