Deutschland

RKI-Leiter Wieler zu Impfeffektivität: "Sie schützt nicht sehr gut, das sehen wir ja"

Der Leiter des Robert Koch-Instituts ist unzufrieden mit dem Schutz durch die aktuellen Impfstoffe. Gleichzeitig sinkt die Quote täglich verabreichter Impfungen in Deutschland kontinuierlich. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält Ungeimpfte für todgeweiht.
RKI-Leiter Wieler zu Impfeffektivität: "Sie schützt nicht sehr gut, das sehen wir ja"© picture alliance / Kontributor

Am 25. März gaben der Leiter des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine gemeinsame Pressekonferenz in Berlin. Schwerpunktthemen waren die generelle Corona-Lage sowie geplante Maßnahmen und Strategien für die kommenden Wochen und Monate. Wieler wie Lauterbach äußerten nachdrücklich ihre große Unzufriedenheit mit der deutschen Impfquote und generellen Problemen hinsichtlich der Einstellung von Teilen der Bevölkerung zum Thema Impfen. Der Gesundheitsminister mutmaßte zu Beginn der Pressekonferenz: "Es könnte sein, dass die Zahl der Toten steigen wird in den nächsten Wochen."

Wieler prognostizierte in seinen Darlegungen: "Es wird nicht die letzte Corona-Welle sein." Überraschend bestätigte der RKI-Chef das momentan zu beobachtende Phänomen, dass immer mehr zwei- und dreifach geimpfte Bürger positiv auf die aktuelle Omikron-Variante getestet werden und teilweise zudem ernsthaft erkranken. Wieler erklärte wörtlich:

"Wir müssen drei Effekte der Impfung betrachten. Einer ist: Wie gut schützt sie vor Infektion? Sie schützt nicht sehr gut, das sehen wir ja, wir haben sehr viele Fälle bei Menschen, die geimpft sind."

Laut den jüngsten Veröffentlichungen des RKI nimmt die Zahl der Bürger, die sich in Deutschland impfen lassen, weiter kontinuierlich ab. Dies betreffe die Zahlen der Erstimpfungen wie auch die der Folgeimpfungen bis hin zur zweiten Booster-Injektion, also der vierten Impfung. Demnach wurden am Freitag letzter Wochen "mindestens 66.000 Dosen verabreicht", so Angaben des RKI. Gestern waren es 64.000. In der Woche zuvor waren es freitags 94.334 Impfungen, am 4. März 109.409 verabreichte Injektionen gewesen. Laut dem RKI war der 15. Dezember 2021 mit 1,7 Millionen Dosen der bisherige "Rekordtag".

Lauterbach appellierte auf der Pressekonferenz mehrfach eindringlich an bisher Ungeimpfte, sich zumindest zeitnah eine erste, seiner Aussage nach bereits "schützende Impfung" verabreichen zu lassen. Bei den aktuell hohen Infektionszahlen müssten laut dem Minister ungeimpfte Menschen ansonsten damit rechnen, sich "in den nächsten Tagen zu infizieren". Diese Warnung gelte auch für jene Bürger, die argumentierten, "sie seien zwei Jahre gut durchgekommen", so der SPD-Politiker. Das Risiko, jetzt einen "schweren Verlauf bis hin zum Tod zu haben", sei "höher, als es je war". Damit wiederholte der Minister seine persönliche theoretische Vermutung vom 11. März:

"Die Situation ist schlechter als die Stimmung. Diejenigen, die sich jetzt infizieren, sterben erst in ein paar Wochen!"

Der dramatische Appell des Gesundheitsministers auf der heutigen Pressekonferenz lautete wörtlich:

"Bitte, alle Menschen ab 70, alle Immungeschwächten, diejenigen mit Herz-Kreislauf-Problemen, holen Sie sich schnell die nächste oder auch die erste Impfung, um einen späten Tod in den letzten Wochen vor dem Sommer abzuwenden!"

90 Prozent aller über 60-jährigen Geimpften fehle aktuell die von der STIKO empfohlene vierte Impfung, so Lauterbach weiter. An die ungeimpften Menschen im Land gerichtet, erklärte der Minister:

"Tun Sie sich selbst und uns allen einen Gefallen. Nichts ist unnötiger als eine schwere Infektion mit einem möglicherweise tödlichen Verlauf, so kurz bevor das gute Wetter die Pandemie zurückdrängt."

Bundestagskollegen anderer Fraktionen empfinden die jüngst getätigten Aussagen Lauterbachs zum Thema Corona und Impfpflicht eher als belastend:

Die Impfquote liegt laut Angaben des RKI-Leiters in Deutschland bei 75,8 Prozent (63,1 Mio. Bürger). Sie bezieht sich auf den bisherigen Grundschutz zweier erhaltener Injektionen. Eine Auffrischungsimpfung (Booster) erhielten zusätzlich 58,2 Prozent (48,4 Mio.). Ungeimpft sind weiterhin 23,5 Prozent (19,5 Mio.) der Deutschen, wobei davon rund vier Millionen Kleinkinder bis vier Jahre zum Thema Impfungen statistisch abgezogen werden müssen. 

Laut Angaben der dpa wurden bisher 1,4 Millionen Dosen des neuesten Impfstoffs Novavax an Impfzentren, Arztpraxen oder Apotheken ausgeliefert. Dies stellt einen Anteil von 0,7 Prozent an den 197,5 Millionen Dosen dar, die während der COVID-19-Pandemie insgesamt bis zum Ende vergangener Woche geliefert wurden, wie das RKI am Freitag mitteilte. Den größten Anteil haben demnach die mRNA-Impfstoffe von BioNTech (71 Prozent) und Moderna (18 Prozent). Insgesamt wurden seit Dezember 2020 bisher 171,7 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht.

Lauterbach und Wieler waren sich einig, dass die aktuelle Impfquote zu niedrig sei, um "bei allen Varianten, die wir bisher kennen, im Herbst ohne einschneidende Maßnahmen durchzukommen", so Lauterbach ankündigend. Auf die Nachfrage einer Reporterin, wie viele Impfungen eine potenzielle Impfpflicht umfassen würde, fand Lauterbach keine eindeutige Antwort. Dies hänge "von mehreren Faktoren wie der Virus-Variante, deren R-Wert, aber auch der bestehenden Impfquote ab", so Lauterbach, um seine Sicht zusammenzufassen: "Je höher die Quote, desto besser geht es uns."

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