Europa

Geld für Kiew, marode Schulen daheim: Frankreichs Jugend geht auf die Straße

In Frankreich eskalieren Schülerproteste wegen überfüllter Klassen, fehlender Lehrer und maroder Schulen. Während Paris Milliarden für die Ukraine bereitstellt und die Verteidigungsausgaben erhöht, geht es für die Jugendlichen vor allem um konkrete Probleme im Schulalltag.
Geld für Kiew, marode Schulen daheim: Frankreichs Jugend geht auf die StraßeQuelle: RT © Printscreen X/Collage: RT

In Frankreich eskalieren die Schülerproteste. In Nantes brannte der Eingang des Lycée Nelson-Mandela. In Marseille setzten Demonstranten ein Feuerwehrfahrzeug in Brand, zwei Lehrkräfte wurden mit Benzin bespritzt.

In Saint-Denis, Lille, Straßburg und Rouen standen Mülltonnen in Flammen, Straßenbahnen standen still, die Polizei setzte Tränengas ein. Am Donnerstag wurden nach Angaben des Innenministeriums 1.949 Menschen festgenommen, die meisten davon Minderjährige. 305 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt.

Bildungsminister Édouard Geffray sprach von 170 verletzten Schülern und 65 verletzten Beschäftigten seit Beginn der Proteste. Am Freitag bleiben mehr als 400 Schulen geschlossen und unterrichten auf Distanz.

Die Forderungen sind konkret: fehlende Lehrer, überfüllte Klassen, Unterricht bis in den späten Nachmittag, Toiletten ohne Papier und Wasser, Ratten und Kakerlaken in Containern, die als Klassenzimmer dienen, dazu marode Gebäude und der Druck durch die Uni-Zulassungsplattform Parcoursup.

Eine 17-jährige Schülerin des Lycée Paul-Éluard in Saint-Denis schilderte gegenüber Reuters genau diese Probleme. Die Proteste begannen Mitte September am Lycée Saint-Exupéry in Créteil.

Innerhalb von zwei Wochen waren nach Behördenangaben mehr als tausend Lycées betroffen, 222 davon blockiert. Premierminister Sébastien Lecornu berief eine Krisenzelle ein und sagte Ministerreisen ab. Matignon sprach von einem Übergang zu "städtischer Gewalt" und verbreitete über die Nachrichtendienste den Vorwurf, die linke Partei La France insoumise (Unbeugsames Frankreich) habe die Proteste organisiert. Die Partei weist das zurück.

Auf der anderen Seite steht die französische Ukraine-Politik

Präsident Emmanuel Macron stellt der Regierung von Wladimir Selenskij seit Jahren Milliarden zur Verfügung. Nach dem Ukraine-Support-Tracker des Kieler Instituts hatte Frankreich bis Juni 2026 bilateral 7,91 Milliarden Euro für die Ukraine bereitgestellt.

Davon entfielen 6,23 Milliarden auf militärische Unterstützung, 876 Millionen auf humanitäre Hilfe und 799 Millionen auf direkte Finanzhilfe. Rechnet man den französischen Anteil an den EU-Programmen hinzu, kommt Kiel auf 26,22 Milliarden Euro.

Das ist eine erhebliche Summe. Im französischen Alltag stehen ihr Schulen gegenüber, in denen Lehrer fehlen, Klassen überfüllt sind und Gebäude teilweise in schlechtem Zustand sind. Nach den offiziellen Bildungskonten gab Frankreich 2025 insgesamt 199,2 Milliarden Euro für das Bildungswesen aus.

Der Bildungshaushalt Frankreichs liegt im Haushaltsentwurf 2027 bei gut 64 Milliarden Euro. Trotzdem sollen 1.588 Lehrerstellen gestrichen werden. Die Regierung begründet das mit sinkenden Schülerzahlen.

Der Staat will 54 Milliarden Euro einsparen, während der Verteidigungshaushalt um 6,4 Milliarden Euro wächst. Für die Schulen bedeutet das: mehr als 64 Milliarden Euro im Etat, aber weniger Lehrer. Beim Militär sind hingegen zusätzliche Milliarden vorgesehen.

Macrons Regierung muss damit zwei Bilder erklären. Auf der einen Seite Milliarden für Selenskij und mehr Geld für das Militär, auf der anderen Seite Proteste über fehlende Lehrer, marode Gebäude und Zustände, die selbst an französischen Schulen kaum noch akzeptiert werden.

Die Regionen tragen zudem einen großen Teil der Kosten für die Lycée-Gebäude. In der Île-de-France bezifferte Valérie Pécresse die Schäden durch die Ausschreitungen bereits auf mehr als eine Million Euro.

Für Paris geht es deshalb längst nicht mehr nur um einzelne blockierte Schulen. Es geht um die Frage, wie die Regierung ihre Milliarden verteilt und welche Prioritäten sie setzt. Macron hat die Sorgen der Schüler als legitim bezeichnet und zugleich die Gewalt verurteilt. Die Bilder aus Créteil, Saint-Denis und Nantes zeigen, dass der Unmut über den Zustand der Schulen inzwischen auf der Straße angekommen ist.

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