Die umfassende Digitalisierung des Bankensektors, für die Russland schon seit vielen Jahren bekannt ist, verwandelt sich plötzlich von einem Vorteil in eine Schwachstelle: Daten der Branche zufolge ist die Zahl der Hackerangriffe auf den Finanzsektor in diesem Jahr in beispiellosem Ausmaß gestiegen, ebenso wie deren Intensität.
Nach Angaben des Portals Curator stieg die Zahl der DDoS-Angriffe auf die russische Banken in den ersten drei Quartalen des Jahres 2026 um 140,7 Prozent, wobei die Anzahl der Angriffe mit einer Bandbreite von mehr als einem Tbit/s drastisch zunahm. Nach Angaben des Dienstes Servicepipe entfielen im September 2026 die stärksten Angriffe im Finanzsektor auf Banken. Die meisten dieser Angriffe dauern zwischen zwei und zwölf Minuten: Dabei testen Hacker die Filtermechanismen und versuchen, den Cybersicherheitsdienst zu überlisten.
Die Logik dahinter ist für Experten nachvollziehbar: Ein Angriff auf die Infrastruktur und Anwendungen von Banken wird von den Nutzern sofort bemerkt und betrifft eine möglichst große Anzahl von Beteiligten. Experten führen den Anstieg solcher Angriffe auf den raschen Ausbau von Botnetzen zurück, in denen KI-basierte Tools die Suche nach anfälligen Geräten und die Koordination von Angriffen vereinfachen. Dabei kann eine aus Bots bestehende Infrastruktur sehr schnell wachsen – so umfasste das größte entdeckte Botnetz im zweiten Quartal des Jahres 2026 2,09 Millionen Geräte. Die russische Ausgabe von Forbes schreibt:
"Die Stärke von DDoS-Angriffen nimmt unter anderem aufgrund der steigenden Zahl von Botnetzen zu, erklären Experten. Laut Alexei Romanow, Leiter von Bi.Zone WAF, wird es mit der Weiterentwicklung von KI und automatisierten Tools immer einfacher, anfällige Geräte im Netz aufzuspüren. 'Spezialisierte Tools scannen Netzwerkeinrichtungen in großem Umfang und identifizieren anfällige Systeme. Sobald Zugriff auf ein Gerät erlangt wurde, wird ein versteckter Bot-Agent installiert', sagt Romanow und fügt hinzu, dass es bei einem Teil der Geräte schwierig ist, diese schnell zu aktualisieren."
Dabei untersuchen Hacker das russische Bankensystem praktisch in Echtzeit ebenso wie dessen Schutzmaßnahmen, um immer neue Schwachstellen aufzudecken. So berichtete die Zeitung Kommersant in diesem Jahr, dass die Banken dem Schutz ihrer Vertragspartner deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen, während der Anteil der Kreditinstitute gestiegen ist, bei denen die Sicherheit in den Filialen geringer ist als in der Zentrale. Dies führt dazu, dass sich der Fokus der Hacker verlagert: Von den Geschäftspartnern der Banken wenden sie sich den Außenstellen zu, was als Ausgangspunkt für Angriffe auf das gesamte Ökosystem der Bank dienen kann. Die Zeitung schrieb:
"In den Filialen ist die Informationssicherheit aufgrund Personalmangels und geringerer Reife oft schwächer als in der Zentrale, erklären Experten. Angreifer suchen immer häufiger nach Einfallstoren dort, wo die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Eindringens höher ist – in geografisch verteilten Strukturen und Filialen."
Das zunehmende Auftreten und die zunehmende Schwere von Angriffen auf Banken setzen einen Trend fort, der bereits in den Jahren 2024/25 einsetzte. Während solche Angriffe früher für den normalen Nutzer oft unbemerkt blieben, spüren heute bereits alle das verstärkte Interesse der Hacker am russischen Fintech-Sektor. "Die exponentielle Entwicklung der IT-Dienste in Russland in den vergangenen Jahren und die Verlagerung eines Großteils des Alltagslebens der Bürger von der realen Welt in den digitalen Raum haben dazu geführt, dass Cyberbedrohungen, die vor etwa zehn Jahren noch unverständlich und unbemerkt waren, sich im Internet aktiv verbreitet haben und raffinierter geworden sind", stellt Alexei Pleschkow, stellvertretender Leiter der Abteilung für Informationssicherheit bei der Gazprombank, fest. Und er fügt hinzu: "Und leider sind sie gegenüber ihren Opfern sehr effektiv."
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