Vorwurf kultureller Aneignung: Indigene Kostüme führen zum Eklat bei kanadischer Miss-Wahl

Die diesjährige Miss-Wahl in Kanada endete mit einem Skandal: Während der Live-Übertragung prangerte eine Moderatorin die Kostümauswahl zweier Teilnehmerinnen an und warf ihnen "kulturelle Aneignung" indigener Kleidung vor. Der Veranstalter leistete Abbitte.

Vergangenes Wochenende feierte der Schönheitswettbewerb "Miss Universe Canada" sein 75. Jubiläum. Eigentlich eine denkbar unspektakuläre Meldung. Doch die Show, die live übertragen wurde, geriet zum Kulturkampf um die Frage, ob und – wenn ja – wer von indigenen Völkern inspirierte Kleidung tragen darf.

Mitten während der Live-Übertragung unterbrach Moderatorin Ashley Callingbull die Darbietungen für eine Ansage (Minute 53) und kritisierte Fälle von kultureller Aneignung, die sich ihrer Ansicht nach während einer Vorrunden-Show ereignet hätten. Callingbull gehört der Cree-Minderheit an und war die erste Indigene aus den First Nations, die im Jahr 2024 Schönheitskönigin bei "Miss Universe Canada" wurde. Nun moderierte sie zwei Jahre später selbst den Wettbewerb.

Stein des Anstoßes für Callingbull war der vorausgehende "National Costume Competition". Bei dieser Vorrunden-Show führen die Teilnehmerinnen Outfits vor, die die kanadische Kultur und die Geschichte des Landes symbolisieren sollen. Zwei der Teilnehmerinnen des Nationalen Kostüm-Wettbewerbs waren in diesem Jahr in Kostümen unter den Titeln "Federkopfschmuck" und "Arktische Schönheit" erschienen (Auftritte bei Minute 18 und Minute 23).

Beide Kostüme waren offenbar der Tracht der kanadischen indigenen Bevölkerung nachempfunden. Während Karisa Haverkamp einen Kopfschmuck aus Federn trug, der an die Kriegshaube indianischer Krieger Nordamerikas erinnerte, präsentierte sich Jasleen Kaily mit Stiefeln, die den Mukluks oder Kamiks der Inuit glichen.

Für Callingbull war diese Präsentation ein Fehler, wie sie bei der Abschluss-Show vorbrachte. Die frühere Schönheitskönigin verkündete:

"Wir schreiben das Jahr 2026. Wir sollten es besser wissen, aber am wichtigsten für die Versöhnung ist, dass wir uns aufklären, lernen, verstehen und diese Dinge auf gute Weise hinter uns lassen."

In einem Interview mit CBC Indigenous vom vergangenen Freitag war die Moderatorin noch deutlicher geworden. Ihr sei regelrecht die Kinnlade heruntergefallen, als sie indigen inspirierten Kostüme bei der Vorab-Show gesehen habe: "Das kann doch nicht wahr sein. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass das passierte. Wer hat so etwas auf der Bühne zugelassen? Wer hat das abgesegnet?", sagte sie und erklärte die indigene Tracht für sakrosankt: "Alles Traditionelle und Heilige sollte verboten sein. Ich war sehr, sehr verärgert."

Wie der öffentlich-rechtliche Sender CBC Canada berichtet, haben die Organisatoren des Wettbewerbs mittlerweile reagiert. Die Ausrichter von "Miss Universe Canada" haben demnach eine Erklärung abgegeben, der zufolge sie entsprechende Richtlinien für künftige Kostüm-Wettbewerbe ausarbeiten werden.

Der Leiter von "Miss Universe Canada", Sonny Borrelli, hatte noch während der Show seine Entschuldigung verkündet: "Im Namen aller Mitarbeiter von Miss Universe Canada möchte ich betonen, dass es nicht unsere Absicht war, irgendjemanden zu beleidigen, und falls wir dies getan haben, übernehmen wir die volle Verantwortung und werden daraus lernen." Künftig werde Ashley Callingbull als kulturelle Ansprechpartnerin des Wettbewerbs in diesen Fragen fungieren.

Auch die beiden Miss-Wahl-Teilnehmerinnen taten Abbitte. Kaily entschuldigte sich auf Instagram mit den Worten: "Es war nie meine Absicht, die Kultur der indigenen Bevölkerung zu missachten oder falsch darzustellen." Vielmehr habe sie die indigenen Völker Kanadas mit ihrem Auftritt würdigen wollen.

Auch Haverkamp, die mit der indianischen Kriegshaube aufgetreten war, verfasste eine entsprechende Stellungnahme. Bei ihrem Auftritt hatte sie ihre Wange mit einer kleinen roten Hand bemalen lassen, ein Zeichen, das als Symbol für die MMIWG-Bewegung gedeutet werden kann, die sich für vermisste oder ermordete indigene Frauen und Mädchen einsetzt. Es war eine Manifestation, die die Kämpfer gegen kulturelle Aneignung dennoch nicht versöhnlicher stimmte.

Bei all dem Streit drohte beinahe unterzugehen, dass Aslihan Morali aus der Provinz Ontario zur diesjährigen Schönheitskönigin gekürt wurde.

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