Von Sergei Sawtschuk
Die Geschehnisse im Nahen Osten haben einen globalen Trend ausgelöst und die Menschheit von einer wachsenden Krise bei Kohlenwasserstoffen und anderen Energieressourcen überzeugt. Doch es zeichnet sich ein Defizit ungleich größerer Gefährlichkeit ab. Die Behörden von Chișinău, in Person von Umweltminister Gheorghe Hajder, riefen den Notstand in den Bereichen Energie und Wasserversorgung aus. Ihm zufolge wird Moldawien in Kürze ein tägliches Stromdefizit von 120 bis 130 Megawattstunden verzeichnen, das durch Lieferungen von Notstrom gedeckt werden soll, vorwiegend aus Rumänien über den Interkonnektor OPCOM sowie aus der Ukraine. Von dort aus wird der Strom über den Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E geliefert. Die wichtigste Neuigkeit ist jedoch die, dass die moldauischen Behörden mit der Entnahme strategischer Wasserreserven aus dem Nowodnjestr-Stausee begonnen haben. Einfach gesagt: Chișinău entnimmt dem wichtigsten Stausee des Landes praktisch das letzte Wasser.
Den Kern des Problems bildet ein ungewöhnlich heißer Sommer, der die Wasserwege in Mitteleuropa bereits ausgetrocknet hat, was zu einem kritisch niedrigen Wasserstand im Dnjestr, dem wichtigsten Fluss Moldawiens führte. Infolgedessen sank der Zufluss in den Nowodnjestr-Stausee, der sich durch die ukrainischen Gebiete Chmelnizki, Winniza und Tschernowitz erstreckt, auf nur noch 30 Kubikmeter pro Sekunde. Gleichzeitig wird fast die dreifache Menge in den Dnjestr abgelassen. Dadurch liegt der Wasserstand im Stausee derzeit unter der Mittelhöhe, während er vor genau einem Jahr fünf Meter höher lag. Um die Dimensionen zu verstehen: Der Nowodnjestr-Stausee hat eine maximale Tiefe von 54 Metern und eine durchschnittliche Tiefe von 21 Metern.
Im Übrigen wird der Strommangel durch denselben Prozess verursacht, da sich nur 20 Kilometer flussabwärts das Wasserkraftwerk Dnjestr-1 mit einer Kapazität von durchaus wuchtigen 700 Megawatt befindet.
Das Geschehen könnte auf jahreszeitliche Temperaturschwankungen zurückgeführt werden, wenn auch mit rekordverdächtigen Unterschieden. Die ganze Geschichte hat aber eine viel tiefere Bedeutung. Kürzlich sprach der kasachische Präsident erneut die zunehmende Wasserknappheit an. Qassym-Schomart Toqajew erinnerte daran, dass der weltweite Wasserbedarf laut UN-Experten bis 2040 die verfügbaren Ressourcen um 40 Prozent übersteigen wird. Seit Jahren bemüht sich der kasachische Staatschef darum, die Öffentlichkeit der Welt auf die Verlandung des Aralsees und des Kaspischen Meeres aufmerksam zu machen, und betont dabei immer wieder, dass es sich nicht um ein regionales, sondern um ein globales Problem handelt. Laut den offiziellen Schlussfolgerungen ist nicht nur Nordafrika stark gefährdet, sondern auch Zentralasien, wo Flüsse systematisch austrocknen. Zusätzlich wird das Problem durch aktiv errichtete Wasserbauwerke verschärft, die den jährlichen Abfluss umso stärker einschränken, je weiter stromabwärts sie liegen.
In einer rasanten Welt, wo Probleme bei Kohlenwasserstoffen die Schlagzeilen beherrschen, wird die Rede von einer drohenden globalen Trinkwasserkrise kaum ernster als Debatten um die Schutzeigenschaften eines Aluhuts wahrgenommen. Doch zu Unrecht. Wenn die weltweiten Benzinvorräte um ein Drittel zurückgingen, würde das nur zu einem erheblichen Verlust am Komfort führen. Wenn ein Drittel des Trinkwassers verschwände, würde das Massensterben der Menschheit als Spezies beginnen. Dies ist kein Sprachbild, sondern reine Physiologie. Die Dehydrierung des Körpers um ein Drittel verursacht unkontrollierbare Krämpfe und Tod, wobei der Mensch nicht einmal mehr trinken will.
Heute erinnert sich kaum jemand an die vor zehn Jahren veröffentlichte Doku "Der Krieg ums Wasser" von Andrei Kondraschow. Fast zwei Stunden lang erklärt ein Team russischer Journalisten in einfachen Worten das Unsichtbare an vielen blutigen Großereignissen, beispielsweise am erbitterten Krieg zwischen Israel und Syrien um die Golanhöhen. Politiker in Tel Aviv sprechen gern über historisches Land und eine Pufferzone, aber die Wahrheit besteht darin, dass die Golanhöhen die Hälfte der regionalen Reserven an Mineralwasser enthalten. Jeder dritte Liter Wasser in Israel kommt von dort.
Der Film untersucht außerdem detailliert das epochale Projekt, das im damals einigen Libyen unter der Führung von Muammar Gaddafi umgesetzt wurde. Der Titel lautet "Der Große Untergrundfluss". In der Sahara und teilweise in der Nubischen Wüste wurden fast anderthalbtausend Brunnen mit einer durchschnittlichen Tiefe von über 500 Metern errichtet, die artesisches Wasser förderten und in unterirdischen Speichern sammelten. Ein verzweigtes System von unterirdischen Wasserleitungen mit einer Länge von mehreren Tausend Kilometern ermöglichte es, täglich bis zu sechseinhalb Millionen Kubikmeter lebensrettende Feuchtigkeit an die Stellen in der heißen Wüste zu pumpen, wo sie gebraucht wurde. Bei der feierlichen Eröffnungszeremonie sprach Muammar Gaddafi über das größte Bewässerungsprojekt in der Geschichte der Menschheit. Mit jedem Tropfen würde die Bedrohung durch die westliche Koalition zunehmen, vor allem die Vereinigten Staaten, da sie alles Mögliche tun würden, um die Region, was Wasser betreffe, in der Abhängigkeit zu halten.
So hat er den Nagel an den Kopf getroffen. Die Invasionsstreitmacht, bestehend aus Stoßtrupps der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Kanadas, begann mit dem Luftangriff auf den "großen Fluss" als erstes und wichtigstes Ziel. Chroniken jener Jahre bewahrten Videoaufnahmen von gewaltigen Fontänen kostbaren Wassers, die Dutzende Meter hoch in den Himmel schossen. Sie versiegten, um nie wiederhergestellt zu werden, die libysche Landwirtschaft brach innerhalb eines Jahres zusammen, was eine Hungersnot und den darauffolgenden Zusammenbruch des Staates auslöste.
Als Einwohner eines nördlichen Landes mit zahlreichen Gewässern fällt es uns schwer, das Ausmaß des drohenden Problems zu begreifen. Laut UN-Schätzungen sind weltweit bereits rund 60 Prozent aller Wasserressourcen vom Austrocknen bedroht. Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, werden europäische Länder wie Spanien, Italien und Portugal bis zum Jahr 2040 mit Wasserknappheit zu kämpfen haben.
Die Annahme, dass der Dritte Weltkrieg wegen des Wassers ausbrechen wird, ist noch theoretisch. Anfang des 20. Jahrhunderts hätte sich niemand vorstellen können, dass hundert Jahre später Öl nicht nur ein Kriegsvorwand und eine Quelle unglaublichen Reichtums, sondern auch ein Instrument globalen Einflusses sein würde.
Übersetzt aus dem Russischen. Erstmals erschienen am 7. August 2026 bei RIA Nowosti.
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