Von Pepe Escobar
Die ganze CENTCOM-Infrastruktur zur Unterstützung ist praktisch zum Freiwild geworden: Von teuren Frühwarnradaren bis hin zu kompletten Luftabwehrsystemen, von Hangars bis hin zu Logistikzentren, von Treibstoff- und Munitionslagern bis hin zu Basen für Vorwärtsoperationen, von Marine- und Seeüberwachungsanlagen bis hin zu Knotenpunkten für die Aufklärung und Kommunikation.
Es gibt bereits eine "Greatest Hits"-Liste über das gesamte Spektrum. Darunter befinden sich beispielsweise Tower 22 – der Operationen in at-Tanf unterstützt; der Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti –, auf dem US-Flugzeuge für verschiedene Operationen stationiert sind; Erbil im irakischen Kurdistan, das Geheimdienst- und Spezialeinsätze unterstützt; Bahrain, das, wie jeder weiß, das Hauptquartier der 5. Flotte der US-Marine beherbergt; Kuwait – ein riesiger Logistik- und Bereitstellungsraum; Katar – wo sich das Vorwärtshauptquartier des CENTCOM und der größte US-Luftwaffenstützpunkt in Westasien befinden.
Angriffe auf all diese Knotenpunkte untergraben unerbittlich den Mythos der US-amerikanischen Machtprojektion. Neue Regeln bestimmen, dass diese Knotenpunkte im Wesentlichen taub, stumm und blind gemacht werden. Anders als im Klassiker von The Who ist Persien nun das Kind im (militärischen) Süßwarenladen, das ein fieses Flipperspiel gegen das Imperium des Chaos, der Lügen, der Plünderung und der Piraterie spielt.
Iran weiß auf den Millimeter genau, wo alles liegt. Spektakuläre Fotomotive im Stil von "Shock 'n' Awe", die den Nachrichtenzyklus monopolisieren, sind unnötig. Was zählt, ist die chinesische Taktik, die Fähigkeiten des Feindes stetig zu schwächen. Die Strategie ist schmerzhaft methodisch und schmerzhaft präzise.
Kein Wunder, dass das "Imperium der Piraterie" wie erstarrt ist. Was tun, wenn deine extrem teure und nahezu unersetzbare Sensor- und Überwachungshardware in Schutt und Asche gelegt wird? Wenn deine Bildschirme tiefschwarz werden? Wenn das arrogante imperiale Selbstvertrauen in die gesamte Befehlskette in Echtzeit torpediert wird?
Die iranische Kriegsführung ist eine hochentwickelte Mischung, die möglicherweise an westlichen Militärakademien studiert werden wird. Alles ist logisch miteinander verknüpft – von der Zerstörung der feindlichen Versorgungsinfrastruktur zur schrittweisen Schwächung der Fähigkeiten in den Bereichen Informationsgewinnung, Überwachung und Aufklärung, vom Schwund der Bestände an Luftabwehr- und Abfangwaffen bis hin zu weitreichenden Unterbrechungen der Logistik.
Und all das ist äußerst kosteneffizient – aber gewiss nicht für das angreifende Imperium, da jede (fehlfunktionierende) Patriot-Rakete Millionen Dollar kostet und schlichtweg Dutzende verschiedene Standorte nicht gleichzeitig verteidigen kann.
Kurz gesagt: So sieht eine systematische Schwächung der gesamten regionalen Architektur aus, die es den USA und ihren Vasallen ermöglicht, militärische Macht in ganz Westasien zu projizieren. Ausgespielt vor dem gesamten Globalen Süden. Das Handbuch ist allen zugänglich, live und in Echtzeit.
Alles geht zur Neige
Irans Präzision, Zurückhaltung und Reichweite bringen das ganze lautstarke Spektakel, das vom "Imperium der Narrative" ausgeht, zum Verstummen – während iranische Raketen und Drohnen unerbittlich Kampfflugzeuge, Black Hawks, Rechenzentren (wie den Amazon-Hauptknotenpunkt in Bahrain), Logistikdepots, Kraftwerke und vieles mehr treffen.
Der Globale Süden muss nur die Satellitenbilder der sprichwörtlichen Krater in Kuwait, Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten betrachten.
Und Iran hat noch nicht einmal angefangen. Würde Iran die verbleibenden Flüssigerdgas (LNG)-Anlagen Katars zerstören, bliebe der größte Teil der Welt mindestens ein Jahrzehnt lang ohne LNG aus Doha – ganz zu schweigen vom Helium zur Herstellung von Mikrochips.
Die massive Demütigung, eines dieser milliardenschweren leichten Ziele zu treffen und außer Gefecht zu setzen, wird für den richtigen Zeitpunkt aufgespart. Und wie jeder weiß, bestimmt Iran das Tempo, und die Zeit ist auf seiner Seite.
Nichts davon mindert natürlich die Risiken der Eskalationsspirale. Und wir befinden uns immer noch mitten in dem, was zur "Mutter aller Eskalationsspiralen" werden könnte.
Doch dann kommt die imperiale Maschinerie plötzlich zum Stillstand – und das CENTCOM sieht einige Tage davon ab, Iran zu bombardieren.
Bei einem vertraulichen Treffen in Washington am vergangenen Freitag wagte es jemand mit einem IQ über Raumtemperatur (J. D. Vance? General Dan Caine? Beide?) es gewagt, Neo-Crassus zu warnen, dass seine "Mutter aller Eskalationen" zum Scheitern verurteilt ist.
Und das lag an einer Reihe offensichtlicher Gründe: von fehlenden Patriot-Raketen bis hin zur weit verbreiteten Panik unter den Ölmonarchien am Golf, von den Risiken für die Weltwirtschaft bis hin zu einer massiven, unmittelbar bevorstehenden Ölkrise.
Bedeutet das, dass Neo-Crassus zu dem Memorandum of Understanding zurückkehren wird, das er unterzeichnet und dann zerbombt hat? Natürlich nicht. Plan B könnte eher in einer Verschärfung des "wirtschaftlichen Drucks" durch zusätzliche Embargos und Sanktionen bestehen, wie es Jared Kushner, der "Berater" der Epstein-Lite-Familie, empfiehlt.
Es sind also nicht nur die weltweiten Ölreserven – und die strategische Ölreserve der USA –, die zur Neige gehen. THAAD-Raketenabwehrsysteme, Patriots, JASSM-Tarnkappen-Marschflugkörper, Tomahawks – alles geht zur Neige.
In den Rhythmus der Ansarullah kommen
Und dann sind da noch die Ansarullah (besser bekannt als Huthi; Anm. d. Red.) und die jemenitischen Streitkräfte – die nun in voller Aktion sind und Saudi-Arabien in eine selbstmörderische Eskalation hineinziehen, nachdem sie das Gleichgewicht der einseitigen Luftabschreckung durchbrochen haben.
Die Kosten einer möglichen Konfrontation zwischen der Ansarullah und Riad bedeuten für das Imperium eine Straße der Zerstörung: den giftigen Doppelschlag aus rasant steigenden Ölpreisen plus die sprichwörtliche gemeinsame "Störung" der Schifffahrt und des Handels in der Straße von Hormus und in der Bab al-Mandab. Es gibt für die Saudis keinen Weg, dieser strategischen Falle zu entkommen – die sie sich selbst eingebrockt haben.
Das letzte Mal, als der Ölraffinerie-Gigant Abqaiq – der bis zu sieben Prozent der weltweiten Rohölverarbeitung abwickelt – im Jahr 2019 in Flammen stand, kapitulierte Riad im Handumdrehen vor Sanaa.
Aramco hat den Betrieb in Abqaiq bereits eingestellt. Übersetzt: mindestens sieben Millionen Barrel Öl pro Tag weniger auf dem Weltmarkt.
Selbst leeren Tankern, die zum Hafen von Yanbu am Roten Meer unterwegs sind, verweigert der Jemen die Durchfahrt durch die Meerenge von Bab al-Mandab. Zusammen mit der Ost-West-Pipeline, die de facto abgeschnürt ist, ist Saudi-Arabien völlig lahmgelegt, ungeachtet der Flut an Propaganda.
Der Jemen schlägt dort zu, wo es wirklich wehtut. Saudi-Arabien verfügt nur über vier große Ölterminals und zehn große Raffinerien. Abgesehen von Dschisan – dessen Kraftstofflagertanks bereits in Brand gesetzt wurden – sind diese in drei äußerst günstige Zielzonen gruppiert. Der Jemen kann den westlichen Teil leicht in Schutt und Asche legen, der irakische Widerstand den östlichen.
Der Jemen hat alles, was nötig ist, um den Ost-West-Pipelinekorridor und die Verladung am Ölterminal Yanbu sowie die Umleitung über den Suezkanal mit nur wenigen ballistischen Raketen lahmzulegen, und spart dabei seine besten Kräfte und seine Kapazitäten für Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung für das auf, was auch immer als Nächstes kommen mag.
Im größeren Bild bleiben die miteinander verbundenen strategischen eurasischen Partnerschaften zwischen Russland, China und Iran in vollem Umfang in Kraft. Das bedeutet, dass Russland und China in der Praxis die "Achse des Widerstands" unterstützen.
Iran setzt das russische Murmansk-System ein – das GPS unaufhaltsam blockiert und US-amerikanische sowie israelische Raketen blind macht. Teheran nutzt zudem das chinesische Beidou – das Pendant zu GPS, das von den USA nicht gestört werden kann und iranischen Raketen und Drohnen zentimetergenaue Präzision verschafft. Und Iran setzt das russische Kometa ein: elektronische Chips, mit denen Raketen und Drohnen ausgestattet sind und Chaos bei der US-amerikanischen elektronischen Kriegsführung anrichten.
An der diplomatischen Front wies Teheran unterdessen jedes weitere Ultimatum der USA zurück. Irans stellvertretender Außenminister Kazem Gharibabadi enthüllte, dass es sowohl in Islamabad als auch in Maskat indirekte Gespräche mit Washington gegeben habe – was auch von pakistanischen Vermittlern bestätigt wurde.
Das Team Neo-Crassus forderte in Maskat sogar, dass die USA die südliche Route der Straße von Hormus weiterhin "verwalten" sollten. Teheran lehnte ab: Entweder zurück zum Memorandum of Understanding oder gar nichts.
Imperiale Taubheit, Stummheit und Blindheit werden sich wohl noch verschlimmern.
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.
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