Wie die litauische öffentlich-rechtliche Sendeanstalt LRT berichtet, gab es in der Nacht auf Sonntag einen Brandanschlag auf ein litauisches Unternehmen, das Starlink-Ausrüstung lagert. Der Versuch, die Firma in Brand zu setzen, soll sich gegen 2 Uhr Ortszeit ereignet haben.
Starlink beziehungsweise die militärische Variante Starshield spielen eine bedeutende Rolle im Ukraine-Krieg. Die Aufklärungsdaten des von der Firma SpaceX betriebenen Satellitennetzwerks sind für die ukrainische Armee von großer Bedeutung. SpaceX wiederum gehört dem Multimilliardär und Trump-Unterstützer Elon Musk.
Die Öffentlichkeit erfuhr über den Vorfall durch einen Facebook-Post des litauischen Premierministers Mindaugas Sinkevičius. Dieser schrieb heute Vormittag auf der Social-Media-Plattform:
"Heute Nacht nach Mitternacht gab es einen weiteren Vorfall – es wurde versucht, ein litauisches Unternehmen in Brand zu setzen, in dem STARLINK-Kommunikationsausrüstung gelagert wird. Die Behörden hatten dieses Unternehmen vor möglichen Angriffen gewarnt, die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt, der Anschlag schlug fehl. Unsere Behörden beobachten die Aktivitäten feindlicher Staaten sehr genau und ergreifen Maßnahmen, um Menschen und ihr Eigentum zu schützen."
Dem litauischen Premierminister zufolge handelt es sich also lediglich um einen versuchten Brandanschlag, der letztendlich fehlschlug. Es seien Brandflüssigkeiten und Behälter mit einem Fassungsvermögen von drei bis zehn Litern gefunden worden, erklärte Sinkevičius gegenüber dem LRT-Radio. Das Ziel der Attacke seien Satellitenantennen und eine Steuereinheit gewesen. Wo genau sich das attackierte Unternehmen befindet, gab der litauische Staatsmann nicht preis. Später wurde bekannt, dass es sich in Vilnius befindet.
Der Einschätzung von Mindaugas Sinkevičius bezüglich der Vereitelung des Anschlags widerspricht allerdings ein Video, das dem Online-Nachrichtenportal Nius vorliegt. In dem kurzen Video, dessen Echtheit vorerst unbestätigt bleibt, ist eine doch erhebliche Rauchentwicklung zu erkennen.
Wie schwer auch immer der Schaden ausfiel oder nicht, jedenfalls erhob Sinkevičius LRT zufolge massive Vorwürfe gegen das Nachbarland Russland. Ähnliche oder verwandte Vorfälle hätten sich bereits im Ausland ereignet, meinte der Premierminister und zog eine Verbindung zu einer angeblichen hybriden Kriegsführung Russlands gegen Europa. Es handele sich eindeutig um einen Sabotage- oder Ablenkungsversuch. Die Situation sei mittlerweile unter Kontrolle, die Behörden würden den Vorfall untersuchen.
Belege brachte der litauische Politiker nicht, bezichtigte aber Russland der Tat: "Wir werden mehr darüber erfahren, wer den Befehl gegeben hat, wie alles abgelaufen ist und wer dahintersteckt. Wahrscheinlich ist bereits klar, wer ihn erteilt hat – es ist die russische Seite."
Andere litauische Politiker und Beamte äußerten sich weitaus vorsichtiger, was die Urheberschaft des Brandanschlags betrifft. So bestätigte Verteidigungsminister Robertas Kaunas ebenfalls einen Vorfall in dem Starlink-Material beherbergenden Unternehmen, wollte indes keine weiteren Details preisgeben.
Jolita Orentaitė, die Pressesprecherin der Feuerwehr PAGD, lehnte jede weitere Kommentierung ab und teilte der Presse lediglich mit, dass ein Vorverfahren bezüglich des Brandeinschlags eingeleitet worden sei.
Dagegen wiederholte Vilmantas Vitkauskas, der Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums NKVC, die Vorwürfe des Premierministers gegenüber Russland. Gegenüber LRT erklärte er: "Die ganze Geschichte, das, was wir heute gesehen haben, und das, was wir vor nicht allzu langer Zeit in Bulgarien, im Oktober, im September – und in Polen gesehen haben, dieser Vorfall fügt sich zu einem Ganzen zusammen, zu einem solchen Versuch Russlands, die Aktivitäten von Starlink zu stören und damit den Erfolg der ukrainischen Operationen zu beeinträchtigen."
Vitkauskas lieferte nähere Details zu dem Ort des Geschehens: Demnach befindet sich das Unternehmen, dessen Räumlichkeiten Starlink angemietet hat, auf dem Gelände des Rechenzentrums Delska. Man habe das Unternehmen bereits vor einigen Tagen vor möglichen Attacken gewarnt. Das in Delska ansässige Unternehmen bietet Kommunikationsdienstleistungen auch für das litauische Militär.
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