Wie der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatih Birol erklärte, könnte sich der Ölmarkt bis Juli/August in "der roten Zone" wiederfinden, sollte das Problem des Mangels an neuen Ölexporten aus dem Nahen Osten bis zum Höhepunkt der sommerlichen Nachfrage nicht gelöst sein und die Vorräte weiter schwinden. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Birols Worten zufolge herrschte zu Beginn der jüngsten Nahostkrise aufgrund des Konflikts der USA und Israels mit Iran weltweit ein Ölüberschuss. Doch nun gehen diese Vorräte zur Neige. Birol erinnerte zudem daran, dass die Mitgliedsländer der Organisation beschlossen hatten, angesichts des Nahostkonflikts rund 400 Millionen Barrel Öl aus den strategischen Reserven freizugeben, um die Märkte zu beruhigen.
Gleichzeitig ist ein deutlicher Rückgang der Ölförderung zu verzeichnen. Davon betroffen sind vor allem die Länder am Persischen Golf – eine Schlüsselregion für die OPEC. Im April belief sich ihre Fördermenge (einschließlich des nicht zum Kartell gehörenden Katar) auf 17,6 Millionen Barrel pro Tag, was 14,4 Millionen Barrel pro Tag unter den vor Ausbruch des Konflikts verzeichneten Werten liegt. In diesem Zusammenhang sank die Gesamtförderung der OPEC-Länder auf 20,18 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Stand seit 35 Jahren.
Bereits im Mai-Bericht der IEA war betont worden, dass das Ölangebot in diesem Jahr nicht ausreichen werde, um die weltweite Nachfrage zu decken. Die Agentur rechnet mit einem deutlichen Rückgang sowohl der Nachfrage als auch des Angebots. Die IEA geht davon aus, dass sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erst ab dem dritten Quartal allmählich wieder normalisieren wird. Bis dahin wird die anhaltende Unsicherheit die Preise auf einem hohen Niveau halten. Doch selbst bei einem solchen Verlauf der Ereignisse rechnen Experten nicht mit einer schnellen Normalisierung des Ölhandels: Die Marktteilnehmer müssen ihre Logistik neu aufbauen und die unterbrochenen Lieferketten wiederherstellen.
Es wird zudem erwartet, dass die weltweiten Öllieferungen bis zum Jahresende auf 102,2 Millionen Barrel pro Tag sinken werden, gegenüber 106,2 Millionen Barrel zum Jahresende 2025.
Mehr zum Thema – Bloomberg: Die Ölförderung in den OPEC-Ländern fällt im April auf ein 36-Jahres-Tief