Deutsche Kartoffeln: Weniger und deutlich teurer

Kartoffelanbau ist in Deutschland oft eine ziemlich technische Sache; darum liegt der Ertrag pro Hektar auch vergleichsweise hoch. Aber diesmal war es nicht nur die Dürre, die einen Strich durch die Rechnung machte, sondern Verbote, die wegen der Dürre ausgesprochen wurden.

Es ist wie eine landwirtschaftliche Achterbahnfahrt – noch 2025 wurden im Herbst Kartoffeln zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen, weil sie wegen zu viel enthaltener Feuchtbarkeit nicht lange haltbar waren; in diesem Jahr liegt die Ernte durch die Dürre um 24,8 Prozent niedriger als im Vorjahr (der Ehrlichkeit halber muss man jedoch sagen, dass das enthaltene Wasser mitgewogen wird).

47 Prozent der deutschen Kartoffelanbaufläche für Speisekartoffeln liegen im vergleichsweise trockenen, sandigen Niedersachsen. Seit Langem werden dort daher Kartoffelfelder künstlich beregnet. Allerdings führten die Entnahmen 2025 zu Einschränkungen der Beregnungsmöglichkeiten ausgerechnet im vergangenen trockenen Sommer, weil die Behörden auf das Absinken des Grundwasserspiegels mit Entnahmebeschränkungen reagierten. In vielen Landkreisen wurde eine Beregnung tagsüber völlig verboten. In diesem Jahr ging außerdem gerade in dieser Region die Anbaufläche zurück; in der Ahnung, dass nicht beregnete Felder vertrocknen könnten, was in diesem Sommer auch passiert ist.

Deutschland ist zwar Selbstversorger, was Kartoffeln betrifft. Bei Obst und Gemüse trifft das allerdings nicht zu, aber das verringerte Angebot hat sich dennoch bereits in den Preisen niedergeschlagen. Die sind nämlich für die Verbraucher im September bereits um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen.

Pro Kopf wurden in Deutschland 2023/24 63,5 Kilogramm Kartoffen verzehrt, die Hälfte davon in Gestalt von Kartoffelerzeugnissen wie Kartoffelpürree oder Pommes Frites. Dabei verschiebt sich der Konsum seit Jahren weg von den Erzeugnissen hin zu frischen Kartoffeln. Als Tierfutter werden sie in Deutschland kaum mehr eingesetzt. Bei einer Selbstversorgungsquote in normalen Jahren von 140 bis 150 Prozent werden sowohl frische Kartoffeln als auch Erzeugnisse exportiert. Die geringere Ernte 2026 dürfte sich also in einem verringerten Export niederschlagen.

554 verschiedene Sorten sind in Deutschland zugelassen, 342 davon sind Speisekartoffeln. 62 Prozent der geernteten Kartoffeln dienen als Nahrungsmittel, 23 Prozent zur Produktion von Stärke, sieben Prozent sind Pflanzgut, und acht Prozent gehen in sonstige Verwendungen. Obwohl Deutschland der größte Kartoffelanbauer in der EU ist, werden nur auf 2,5 Prozent der Gesamtackerfläche Kartoffeln angebaut.

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