Anschläge: Weitere Sprengsätze in Sachsen gefunden

Nach dem ersten Anschlag auf die Stromversorgung Anfang vergangener Woche in Brandenburg wurden Schritt für Schritt weitere Sprengsätze entdeckt, die – das legen die Aussagen der Polizei nahe – alle nach demselben Schema konstruiert wurden, um mit Feuerwerkskörpern Drähte auf Leitungen zu schießen.

Detlev V. muss sehr fleißig gewesen sein. In Sachsen wurden inzwischen neun weitere Sprengeinrichtungen in der Nähe von Hochspannungstrassen beim Umspannwerk Graustein gefunden und entschärft. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden in einer Pressemeldung mit. Gleichzeitig wird noch immer um Mithilfe der Bevölkerung gebeten.

Das Umspannwerk Graustein, in dessen Nähe schon zuvor Sprengsätze gefunden worden waren, liegt beim Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe.

Bereits am Freitag waren in Sachsen zwölf Sprengsätze in der Nähe von Umspannwerken und Hochspannungsleitungen gefunden worden. Die Gesamtzahl beläuft sich also mittlerweile auf 21. In der Erklärung dazu hieß es: "Aufgrund eines in dem Bekennerschreiben erwähnten Tatortes und der Art der Sprengvorrichtungen wird derzeit eine Verbindung zu den Ermittlungsverfahren in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wegen der dortigen Sabotage an Umspannwerken geprüft."

Bereits am Freitag war ein Fahndungsfoto des Verdächtigen veröffentlicht worden. Am Sonntag wurde mit hundert Polizisten im Hambacher Forst nach ihm gesucht, da dort sein Wohnmobil, ein umgebauter Lkw, aufgefunden worden war.

Der 48-Jährige, der durch die als authentisch bewerteten Bekennerschreiben identifiziert wurde, begründete seine Anschläge gegen Einrichtungen der Stromversorgung mit dem Klimawandel. Politik und Medien würden nicht genug dagegen unternehmen, daher müsse er tätig werden. Seine Ziele lagen vor allem in der Umgebung von Braunkohlekraftwerken.

Nachbarn beschrieben laut Bild den Sohn eines Architekten und einer Lehrerin als zurückgezogenen Einzelgänger, dem sie solche Handlungen nie zugetraut hätten. Der Mann ist studierter Mediziner, hat aber womöglich nie praktiziert.

Glücklicherweise waren seine selbstgebastelten Sprengsätze nicht wirklich zuverlässig – bisher kam es zwar zu vorübergehenden Abschaltungen in betroffenen Kohlekraftwerken, aber nur über sehr kurze Zeiträume. Die allgemeine Stromversorgung wurde davon nicht beeinträchtigt. Hätten diese Anschläge während der berüchtigten "Dunkelflaute" stattgefunden, also im Winter bei relativer Windstille, hätten die Folgen wesentlich schwerer sein können.

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