Der schwäbische Batteriehersteller Varta hat nach Informationen aus Finanzkreisen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Damit erreicht die seit längerem schwelende Krise einen neuen Höhepunkt. Noch vor wenigen Monaten hatte das Management verkündet, die Neuaufstellung sei abgeschlossen. Nun droht dem Unternehmen aus Ellwangen eine tiefe Zäsur.
Hintergrund ist eine offenbar unüberbrückbare Finanzierungslücke. Wichtige Gläubiger wie die Deutsche Bank sowie Investoren aus dem Umfeld von RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox sehen keine ausreichende Perspektive mehr für den Konzern in seiner jetzigen Form. Sie planen, das Geschäft mit Haushaltsbatterien – einen der profitableren Bereiche – aus dem Verbund herauszulösen und auf neue Strukturen zu übertragen. Das Ziel: zumindest Teile des Unternehmens langfristig sichern.
Varta blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Das Unternehmen stand einst für innovative Batterietechnik "Made in Germany" und belieferte globale Marken. Der Verlust des wichtigen Kunden Apple im Frühjahr 2026, der die Produktion von Knopfzellen für AirPods künftig nach China verlagert, hat die Lage zusätzlich verschärft. Das Werk in Nördlingen mit rund 350 Beschäftigten soll im Oktober geschlossen werden. Hohe Energie- und Lohnkosten sowie der harte Wettbewerb aus Asien erschweren die Produktion in Europa zusätzlich.
Der österreichische Investor Michael Tojner, der bereits Anteile hält, signalisiert Interesse an einer Fortführung bestimmter Bereiche wie Microbattery und Solutions. Er spricht von der Notwendigkeit weiterer harter Einschnitte und eines zusätzlichen Sanierungsschritts. Porsche als weiterer beteiligter Akteur hatte in der Vergangenheit ebenfalls Unterstützung geleistet, scheint aber nun nicht mehr zu frischem Kapital bereit zu sein.
Für die Beschäftigten kommt die Entwicklung einem Schock gleich. IG-Metall-Vertreter warnen, dass Existenzen ganzer Familien auf dem Spiel stehen. Sie fordern rasche Transparenz und Beteiligung der Arbeitnehmerseite an den weiteren Schritten. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sein werden, ist derzeit noch offen. In Eigenverwaltung hat das Management zumindest die Chance, aktiv an einer Lösung mitzuwirken, statt einen fremdverwalteten Insolvenzprozess zu durchlaufen.
Die Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen der europäischen Batterieindustrie. Während der Markt für Speicher- und Mobilitätslösungen wächst, kämpfen etablierte Player mit hohen Kosten und Abhängigkeiten von Großkunden. Varta steht stellvertretend für diese strukturellen Probleme: einst Symbol für Qualität und Innovation, indessen gefangen zwischen globalem Wettbewerb und finanziellen Zwängen.
Ob eine geordnete Trennung der Sparten und eine Neuaufstellung gelingt oder ob weitere Turbulenzen folgen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für die Region Ostwürttemberg und die gesamte Branche bleibt die Hoffnung, dass Kernkompetenzen erhalten bleiben – auch wenn das Unternehmen in seiner bisherigen Form wohl nicht fortbestehen wird.
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