Die Sorge vor einem möglichen Kerosinmangel in Deutschland hat eine politische Debatte über Prioritäten im Luftverkehr ausgelöst. Während Branchenvertreter fordern, wirtschaftlich notwendige Flüge zu bevorzugen, bemüht sich die Bundesregierung, die Lage zu beruhigen. So beschwichtigt Bundeskanzler Friedrich Merz die Bundesbürger mit den Worten: "Die Versorgung in Deutschland ist gesichert." Jeder kann selbst entscheiden, ob er die Aussagen von Merz für belastbar hält.
Auslöser der Diskussion ist die angespannte Energieversorgung infolge internationaler Krisen, die nicht nur Benzin und Diesel, sondern auch den Flugtreibstoff betreffen. Experten warnen, dass es bei einer weiteren Verschärfung zu Engpässen kommen könnte – mit direkten Folgen für den Luftverkehr und die Wirtschaft. In diesem Zusammenhang wird sogar über eine staatliche Priorisierung von Flügen diskutiert. Vertreter der Luftfahrtbranche plädieren dafür, im Zweifel Fracht- und Geschäftsflüge gegenüber touristischen Reisen zu bevorzugen, um Lieferketten und wirtschaftliche Abläufe zu sichern.
Die Bundesregierung weist jedoch darauf hin, dass Deutschland auf mögliche Engpässe vorbereitet sei. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte, man stehe "nicht unvorbereitet" da und verfüge über strategische Reserven sowie eigene Raffineriekapazitäten. Gleichzeitig warnte sie vor übertriebener Panik: "Alarmismus bei Kerosin hilft nicht." Was Reiche dabei unterschlägt: Auch eigene Raffinerien brauchen zur Herstellung von Kerosin Rohöl. Durch die Sperrung der Straße von Hormus bei gleichzeitigem Verzicht auf Lieferungen aus Russland via Pipeline scheint Reiche die zentralen Größen in ihrer Gleichung zur Beschwichtigung der Bevölkerung nicht ganz lauter einzuschätzen.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Lage zwar als angespannt, aber derzeit kontrollierbar. Die Versorgung mit zentralen Energieträgern wie Benzin, Diesel und Kerosin habe "höchste Priorität". Für den Fall einer Verschärfung seien jedoch Maßnahmen vorbereitet, über die unter anderem im Nationalen Sicherheitsrat beraten werden soll. Konkret kann mit diesen "Maßnahmen" nur eine Rationierung gemeint sein.
Daher bleibt die Unsicherheit groß. Steigende Ölpreise und gestörte Lieferketten im Zuge des Iran-Kriegs und der westlichen Sanktionspolitik gegenüber Russland belasten den Markt zunehmend. Sollte es tatsächlich zu einer Verknappung kommen, könnten politische Eingriffe in den Flugverkehr notwendig werden – mit möglichen Einschränkungen für Reisende und wirtschaftlichen Folgen für die Luftfahrtbranche.
Die Aufgabe, vor der die deutsche Politik steht: Sie muss zwischen der Sicherung wirtschaftlicher Stabilität und den Interessen von Verbrauchern einen Ausgleich finden. Ob der Balanceakt gelingt, ist fraglich. Alle Interessen können im Fall tatsächlicher Defizite nicht bedient werden.
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