Kriminalstatistik 2025: Polizei registriert leichten Rückgang bei Straftaten

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten in Deutschland leicht zurückgegangen, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik verkündete. Jedoch ergeben sich Unterschiede bei Rückgang bzw. Anstieg verschiedener Arten von Straftaten.

Etwas Erfreuliches hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) heute Vormittag bei einer Pressekonferenz zu vermelden, die er zusammen mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts Holger Münch abhielt: Die Zahl der in Deutschland angezeigten Straftaten ist laut Polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2025 zurückgegangen, zum ersten Mal seit 2022.

Rund 5,5 Millionen Straftaten registrierte die Polizei 2025, davon wurden 3,2 Millionen aufgeklärt. Insgesamt handelt es sich bei den Delikten um einen Rückgang von 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote dagegen stagnierte und hat sich – wie im Vorjahreszeitraum – bei etwa 58 % eingependelt.

Die an sich positive Entwicklung bei den Straftaten hat jedoch einen Haken: Sie ist zu einem gewissen Grad auf die Teillegalisierung von Cannabis zurückzuführen. Seit dem 1. April 2024 ist Erwachsenen der Besitz und der Anbau bestimmter Mengen an Cannabis erlaubt. Bereinige man die Statistik bezüglich der Cannabis-Freigabe, so hätten sich die Straftaten um lediglich 4,7 % verringert, erklärte Dobrindt. Demnach liegt der Rückgang an Straftaten jedoch nicht allein in der veränderten Cannabis-Gesetzgebung begründet.

Bei der Gewaltkriminalität zeigt sich laut Angaben einer Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums ein durchwachsenes Bild: Zwar ist erstmals seit 2021 die Gewaltkriminalität in Deutschland insgesamt gesunken, um 2,3 %. Besonders stark ging die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen (-7,4 %) und der tatverdächtigen Zuwanderer (-7,2 %) zurück, wobei Letztere jedoch weiterhin in Sachen Gewalttaten stark überrepräsentiert sind und 42,9 % der Tatverdächtigen ausmachen. Die Anzahl der wegen einer Gewalttat angezeigten Kinder stieg dagegen um 3,3 % an.

Die Zahl der Diebstahlsdelikte hat sich vergangenes Jahr insgesamt verringert (-6,5 %), dagegen vermehrte sich die Summe der angezeigten Wohnungseinbrüche mit einem Plus von 5,7 %, wobei sich bei Letzteren ein großes Dunkelfeld auftut: Nach Schätzungen des BKA zeigen die betroffenen Bürger nur 48 % der Einbruchsversuche an.

In den Deliktbereichen Betrug und Cyberkriminalität spielen im Ausland sitzende Täter eine immer größere Rolle. Bei Cybercrime überstiegen die aus dem Ausland heraus begangenen Straftaten bereits diejenigen, bei denen die Täter sich im Inland befinden. Generell sind die sogenannten Inlandsstraftaten bei Betrug und Internetkriminalität gesunken, die Auslandsstraftaten dagegen angestiegen.

Die Anzahl der Sexualdelikte blieb im Jahr 2025 mit 131.335 angezeigten Fällen auf hohem Niveau und verzeichnete sogar ein Plus von 2,8 %. BKA-Chef Münch begründete diesen Anstieg zum Teil mit einer höheren Anzeigebereitschaft. Der Anstieg der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen beträgt ganze 9 %. Seit dem Jahr 2018 ist sogar ein Plus von rund 72 % zu vermelden. Die Anzeigequote bei Sexualdelikten ist weiterhin geringer als bei anderen Verbrechen, sodass von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist.

Die Anzeigen wegen Kinderpornografie gingen zurück (-2,7 %), die jugendpornografischen Straftaten erhöhten sich dagegen mit einem Plus von 19,9 % stark. Bei jugendlichen Tätern handelt es sich oft um sogenannte "Selbstfilmer", die Nacktfotos beziehungsweise -videos von sich selbst ins Netz stellen.

2025 gab es auch mehr zur Anzeige gebrachte Straftaten gegen das Leben: Bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen vermerkt die Polizeiliche Kriminalstatistik einen Anstieg um 6,5 %. Das BKA weist allerdings darauf hin, dass diese Schwankung nach oben mit einer Berliner Mordserie zu begründen sei, in deren Verlauf ein Palliativmediziner Dutzende seiner Patienten umgebracht haben soll.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter mahnte in einer Pressemitteilung, der Gesamtrückgang im Hellfeld dürfe nicht über ernste Entwicklungen hinwegtäuschen. Im Bereich der Sexual- und Gewaltdelikte sei die Zahl der Fälle weiterhin hoch. Und dies seien gerade die Bereiche, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders stark prägen würden. Der BDK erhob die Forderung, die Dunkelfeldforschung weiter zu intensivieren und den Periodischen Sicherheitsbericht wieder einzuführen, um klarere Erkenntnisse bezüglich der Kriminalität in Deutschland zu erhalten.

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