TotalEnergies kann weiterhin Gas aus seinem sibirischen Vorzeigeprojekt nach Asien verkaufen, nachdem die EU Forderungen nachgegeben hat, europäischen Unternehmen den Weitertransport russischen Flüssigerdgases (LNG) in Länder außerhalb der Union zu erlauben.
Griechenland hatte die Kehrtwende bei den LNG-Sanktionen zur Bedingung gemacht, um im Gegenzug einem anderen Maßnahmenpaket gegen Moskau zuzustimmen. Die Entscheidung der EU ermöglicht es dem griechischen Schifffahrtsunternehmen Dynagas, weiterhin lukrative Transporte russischen Gases weltweit durchzuführen.
Financial Times berichtet am Dienstag, auch TotalEnergies werde von der Entscheidung profitieren. Der französische Öl- und Gaskonzern könne weiterhin LNG aus dem sibirischen Großprojekt Jamal LNG an Kunden in Asien verkaufen. TotalEnergies ist an Jamal LNG mit 20 Prozent beteiligt.
Die Ausnahme revidiert eine Entscheidung Brüssels vom vergangenen Oktober, solche Lieferungen ab Ende 2026 zu verbieten. EU-Unternehmen dürfen nun weiterhin LNG-Transfers in Drittstaaten abwickeln, wenn die Verträge vor dem Ukraine-Krieg im Februar 2022 geschlossen wurden und die Liefermengen nicht über dem Niveau von 2025 liegen.
Ein EU-Beamter begründete die Entscheidung damit, dass die Schiffe andernfalls "sehr schnell zurückgefordert und von chinesischen Betreibern übernommen worden wären." Es hätte zwar ein Verbot gegeben, aber "keinen tatsächlichen Effekt auf die russischen Gasflüsse".
Die EU-Ausnahme bei den LNG-Sanktionen ermöglicht es nun TotalEnergies, bestehende Lieferverträge mit asiatischen Kunden aus dem Jamal-LNG-Projekt weiter zu erfüllen und damit die Folgen des geplanten Verbots langfristiger russischer LNG-Importverträge abzufedern.
Konzernchef Patrick Pouyanné hatte zuvor wegen Unklarheiten bei den Regeln einen vollständigen Lieferstopp befürchtet, sieht nun aber Spielraum für eine Fortsetzung der Exporte in Länder außerhalb der EU. TotalEnergies prüft die neuen Vorgaben noch und äußerte sich auf Anfrage der Financial Times nicht.
Der französische Energiekonzern hatte sich nach hohen Abschreibungen 2022 weitgehend aus Russland zurückgezogen und verkauft derzeit seinen Anteil am sibirischen Projekt Arctic LNG. Am Jamal-LNG-Projekt hält TotalEnergies indessen weiter fest. Nach Angaben von Konzernchef Patrick Pouyanné erzielt das Unternehmen damit rund 400 Millionen US-Dollar pro Jahr sowie mögliche Dividenden aus Beteiligungen an Jamal LNG und Novatek.
Die meisten Lieferungen aus Jamal gehen bislang nach Europa, doch die neue Regelung könnte künftig zusätzliche Transporte nach Asien – insbesondere nach China – ermöglichen.
Die Verträge von TotalEnergies sind an den Brent-Ölpreis gekoppelt, wodurch der Konzern zuletzt von höheren Energiepreisen infolge der Spannungen im Nahen Osten profitierte. Die EU-Kommission betont, dass die Ausnahme begrenzt sei und nur Transfers russischen LNGs in Drittstaaten betreffe. Auch Lieferungen aus dem Projekt Sachalin-2 bleiben bis 2028 ausgenommen, um die Energieversorgung Japans und Südkoreas zu sichern.
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