Wie die EU-Kommission bereits im März angekündigt hat, wird der Zuschuss für die Biennale in Venedig tatsächlich gekürzt, um zwei Millionen Euro. Der Betrag wurde heute bekannt gegeben. Der Grund? Der russische Pavillon, der immerhin bereits im Jahr 1914 für die elfte internationale Kunstausstellung eröffnet wurde, bleibt geschlossen. Es gibt aber ein Performanceprojekt, an dem 50 russische Künstler beteiligt waren, das auf einem Bildschirm vor dem Pavillon zu sehen ist.
Die Teilnahme Russlands, der die Biennale-Stiftung zugestimmt habe, ist "nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands", erklärten zwei Mitglieder der EU-Kommission. Und ein Sprecher der Kommission erklärte: "Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden."
Abgesehen davon, dass der russische Pavillon Eigentum des russischen Staates ist – entworfen von demselben Architekten, der später das Lenin-Mausoleum schuf –, ist er eines der ältesten Gebäude auf dem Biennale-Gelände. Der deutsche Pavillon ist zwar noch einige Jahre älter, aus dem Jahr 1909, aber er wurde 1938 unter den Nazis komplett umgebaut – und sieht heute noch so aus, woran sich teilnehmende Künstler immer wieder abarbeiten.
Die Kunstausstellung, die bereits vor zwei Monaten begonnen hat, läuft noch bis zum 22. November. Noch vor Beginn der Ausstellung war die Jury wegen der Auseinandersetzungen um die Teilnehmer zurückgetreten. Kernpunkt der Auseinandersetzung war die Teilnahme Israels. Außer Israel betreibt noch ein weiteres Teilnehmerland derzeit einen Angriffskrieg, das bisher noch gar nicht von Kritik, geschweige denn von Förderungsstreichungen der EU erfasst wird – auch die Vereinigten Staaten betreiben einen Pavillon. Wobei dieser Bau, im Gegensatz zu den meisten anderen, der Solomon Guggenheim Foundation gehört und nicht den USA.
Die Proteste rund um die Pavillons unterschieden sich jedoch deutlich: Vor dem russischen zeigten sich die üblichen ukrainischen Aktionsgrüppchen für solche Anlässe, Pussy Riot und Femen, während sowohl der israelische als auch der US-amerikanische Pavillon vor der Eröffnung Ziel von Massenprotesten und Blockadeaktionen waren. Was die EU nicht daran hinderte, die Zuschüsse wegen der russischen Teilnahme zu streichen und zu erklären, russische Kunst sei Teil der "hybriden Kriegsführung".
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