EU-Kommission: Keine Pläne für vollständiges Verbot von Visa für russische Touristen

Die Europäische Kommission hat Pläne für ein vollständiges Verbot von Touristenvisa für Russen zurückgewiesen. Die Behörde bekräftigte jedoch, dass im Rahmen des 21. Sanktionspakets gezielte Maßnahmen gegen Teilnehmer der militärischen Sonderoperation in der Ukraine vorbereitet werden.

Die EU-Kommission plane kein vollständiges Verbot von Touristenvisa für Russen, teilte die Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf den Pressedienst der Behörde mit. "Wir haben wiederholt erklärt, dass die Europäische Kommission derzeit an der Ausarbeitung gezielter Maßnahmen arbeitet, um die Visaregelung an die Sicherheitsrisiken anzupassen, die von Personen ausgehen können, die am Krieg gegen die Ukraine beteiligt waren. Diese Maßnahmen wurden von der Europäischen Kommission im Rahmen des 21. Sanktionspakets vorgeschlagen", so kommentierte die EU-Kommission Berichte über ein mögliches vollständiges Verbot von Touristenvisa für russische Staatsbürger. Gleichzeitig weigerte sich die EU-Kommission, anzugeben, wie sie ehemalige Teilnehmer der militärischen Sonderoperation identifizieren will. 

Artur Muradjan, der Vizepräsident des Verbandes der russischen Reiseveranstalter für Auslandstourismus, erklärte gegenüber der Zeitung RBC, dass diese Frage schon seit mehreren Jahren diskutiert werde. Ihm zufolge gingen diese Forderungen meistens von Ländern aus, die derzeit faktisch keine Visa an Russen ausstellen. "Meiner Meinung nach wäre die Verhängung eines vollständigen Verbots ein ziemlich radikaler Schritt, der auch ihren eigenen Interessen schaden würde, unter anderem denen, die mit Russland zusammenhängen. Daher erwarte ich eine solche Entscheidung in naher Zukunft nicht", betonte er. Er merkte an, dass europäische Länder die Visaerteilung für Russen bereits erschwert hätten. In erster Linie stellten Visa für die einmalige Einreise mit einem bestimmten Reisedatum aus. 

Am Dienstag teilte die Zeitung Iswestija unter Berufung auf eine europäische Quelle mit, dass die EU-Kommission ein vollständiges Verbot von Touristenvisa für Russen erwäge. "Diese Vorschläge werden in Abstimmung mit den EU-Mitgliedstaaten diskutiert", so die Quelle.

Am 15. Juni erklärte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas, dass die EU-Kommission plane, alle Teilnehmer der militärischen Sonderoperation in der Ukraine auf die schwarze Liste zu setzen und ihnen die Einreise in die EU zu verbieten. "Natürlich verfügen wir über Geheimdienstinformationen zu Personen, die an dem Krieg beteiligt waren. Wir müssten sie einfach alle auf die schwarze Liste setzen, damit sie nicht mehr in die EU einreisen können. Ich bin keine Expertin, aber Fachleute sagen, es sei möglich", sagte sie.

Am 9. Juni schlug die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, vor, in das 21. EU-Sanktionspaket ein Einreiseverbot für alle russischen Staatsbürger aufzunehmen, die an der Sonderoperation teilgenommen oder seit Beginn des Konflikts in der russischen Armee gedient haben.

Im November 2025 hatte die EU-Kommission die Erteilung von Schengen-Mehrfachvisa für Russen eingeschränkt. Russische Staatsbürger müssen nun jedes Mal ein neues Visum beantragen, wenn sie in ein EU-Land einreisen möchten.

Moskau hatte auf die Visa-Einschränkungen damals sofort reagiert. Russland werde es nicht zulassen, dass die EU Moskau zu Vergeltungsmaßnahmen im Visabereich provoziere. Dies erklärte Maria Sacharowa, die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums. Sie betonte, dass Russland bereit sei, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, aber erst wenn dies sinnvoll sei.

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