Widerstand wächst: Ukrainer in Lwow wehren sich gegen Zwangsrekrutierer (VIDEOS)

Im Internet kursierende Aufnahmen scheinen zu zeigen, wie Einwohner von Lwow einen Mann befreien, der von Militärangehörigen in einen Kleinbus verfrachtet worden war. Eine junge Frau tat sich dabei besonders hervor, indem sie die Scheiben des Fahrzeugs einschlug.

Bewohner der westukrainischen Stadt Lwow (Lemberg) haben sich laut Videos, die in den sozialen Medien kursieren, in zwei verschiedenen Fällen gegen hart durchgreifende Rekrutierer des Militärs gewehrt.

Die Ukraine setzt im Konflikt mit Russland weiterhin auf Zwangsmobilisierung, um ihre Truppen aufzustocken. Diese Praxis, die als "Busifizierung" bezeichnet wird – in Anspielung auf die Kleinbusse, mit denen Rekrutierer auf ihren Patrouillen häufig unwillige Wehrpflichtige entführen –, stößt in der Bevölkerung auf zunehmenden Widerstand.

Erst letzten Monat wurde ein Rekrutierungsbeamter von einem Einwohner Lwows erstochen. Jede Woche gehen neue Clips viral, die die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigen.

In einem Vorfall, der am Dienstag vom lokalen Telegram-Kanal Lvivich geteilt wurde, kam es auf einer stark befahrenen Straße zu einer Konfrontation, nachdem ein von Einberufungsbeamten genutztes Fahrzeug im Stau stecken geblieben war. Das Filmmaterial scheint zu zeigen, wie eine junge Frau mit bloßen Händen eine der Scheiben des Autos herausreißt, während eine andere Scheibe von innen herausgetreten wird.

Als sich eine Menschenmenge um das Auto versammelte, ließen die Beamten schließlich den Mann frei, den sie offenbar wegbringen wollten. Augenblicke später schlug der Mann mit der Faust gegen das letzte intakte Fenster auf der rechten Seite des Autos.

Ein zweites Video, das offenbar von einem nahegelegenen Wohnblock aus aufgenommen wurde, zeigte mehrere Männer, die einen schwarzen Kleinbus daran hinderten, den Ort zu verlassen. Im Gegensatz zur ersten Konfrontation schien es sich hierbei größtenteils um einen verbalen Streit zu handeln, bei dem es zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den beiden Seiten kam, jedoch ohne sichtbare körperliche Gewalt.

Den Aufnahmen zufolge gelang es den Zivilisten, persönliche Gegenstände aus dem Fahrzeug zu holen, bevor die Streife weiterfuhr.

Die Wehrpflicht ist in der Ukraine zu einem Hauptgrund für gesellschaftliche Spannungen geworden, wobei Kritiker den Einberufungsbeamten Gewaltanwendung und Korruption vorwerfen.

Ukrainische Medien haben bereits berichtet, dass das Verteidigungsministerium erwägt, die für die Einberufung zuständigen territorialen Einberufungszentren umzustrukturieren und möglicherweise mehr Zuständigkeiten an das Innenministerium zu übertragen.

Rund zwei Millionen ukrainische Männer stehen wegen Wehrdienstverweigerung auf Fahndungslisten, wie Verteidigungsminister Michail Fjodorow vor zwei Monaten bekannt gab. Zudem haben sich demnach 200.000 aktive Soldaten unerlaubt von der Truppe entfernt.

Nicht einmal jeder zehnte Soldat der ukrainischen Armee dient freiwillig – weshalb manche Abgeordnete höhere Strafen für Deserteure und Wehrdienstverweigerer fordern, um die Rekrutierungsquote zu erhöhen. Um die Verluste an der Front auszugleichen, will Kiew zunehmend ausländische Söldner anwerben. 

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