Mexiko bringt mehr als 1.700 Tonnen humanitäre Hilfe nach Kuba

Seit Ende Januar wagt kein Land aus Angst vor US-Sanktionen, Rohöl an Kuba zu verkaufen. Mexiko, das noch bis vor Kurzem zu den wichtigsten Öllieferanten des Inselstaates gehört hat, bringt nur noch humanitäre Güter. In Kuba wächst indes die Angst vor einer US-Operation.

Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden humanitären Krise in Kuba hat Mexiko erneut eine humanitäre Lieferung an den Inselstaat geschickt. Das war bereits die fünfte derartige Hilfsaktion des lateinamerikanischen Landes, seitdem die USA Ende Januar dieses Jahres eine totale Ölblockade gegen Kuba verhängt hatten. Die Unterstützung traf im Karibikstaat am Montag ein – etwa eine Woche nachdem Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum die Solidaritätsmaßnahme in Aussicht gestellt hatte.

Nach Angaben aus Mexiko-Stadt umfasste die Lieferung ungefähr 1.700 Tonnen Lebensmittel. An der Aktion beteiligte sich auch Uruguay. Die humanitäre Ladung war diesmal vor allem für Kinder bestimmt.

Kubas Landwirtschaftsminister Alberto López Díaz bedankte sich bei den beiden lateinamerikanischen Ländern für ihre Solidaritätsgeste. In einem Kommentar für den Fernsehsender RT erklärte der Minister:

"Es kommen Produkte, die unsere Kinder am meisten brauchen, wie Milchpulver und Bohnen."

Man werde sie unter den Familien verteilen, die sie am meisten benötigten, gab López Díaz bekannt.

Zuvor hatte Sheinbaum erklärt, dass sich ihre Regierung auf Kuba-Hilfen außerhalb des Energiebereichs konzentrieren werde, da der Inselstaat derzeit Öl aus Russland gespendet bekomme. Bei ihrer täglichen Pressekonferenz betonte die Politikerin, dass Mexiko schon immer gegen das noch im Jahr 1962 gegen Kuba verhängte Handelsembargo gewesen sei, und verurteilte die neuen Sanktionen gegen den Karibikstaat, welche die US-Regierung von Präsident Donald Trump in diesem Januar beschlossen hatte.

Ende März beförderte Mexiko nach Kuba im Rahmen seiner vierten Hilfsaktion gut 96 Tonnen Lebensmittel, vor allem Reis und Bohnen, sowie andere Bedarfsgüter. Russland seinerseits spendete Ende März trotz der US-Blockade dem kubanischen Volk 100.000 Tonnen Rohöl. Nach Angaben des kubanischen Ministers für Energie und Bergbau, Vicente de la O Levy, wurde diese Lieferung inzwischen aufgebraucht.

Vor dem Hintergrund der Eskalation im Verhältnis mit Washington wächst in Kuba die Angst vor einem möglichen Angriff. Der kubanische Zivilschutz hat inzwischen ein Handbuch mit Richtlinien für die Bevölkerung im Falle einer militärischen US-Aggression veröffentlicht. Der neunseitige Leitfaden empfiehlt, einen Rucksack mit Lebensmitteln und Medikamenten bereitzuhalten und sich bei Luftalarm sofort an einen sicheren Ort zu begeben. Dabei leidet die Bevölkerung seit Jahren unter der Mangelwirtschaft. Die Stromversorgung bricht immer wieder zusammen. Auch in der Hauptstadt Havanna dauern die Stromausfälle teils bis zu 22 Stunden. Aufgrund des Mangels an Brennstoff und der maroden Infrastruktur kann Kuba nur ein Drittel seines Energiebedarfs decken.

US-Präsident Donald Trump betrachtet den Zehn-Millionen-Staat als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA und rät Kuba dringend, einem Deal zuzustimmen, bevor es "zu spät" sei. Unterdessen geht die Regierung des Republikaners davon aus, dass die kubanische Führung am Ende sei und "kurz vor dem Kollaps" stehe. Die Führung in Havanna wiederum wirft Washington wegen seiner aggressiven Geopolitik Faschismus und Völkermord vor.

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